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SOKO Zukunft Wirtschaft

002 Wirtschaft & Finanzen

Aufschwung erbeten

Alle Jahre wieder gibt es auch zum heurigen Jahresbeginn wieder jede Menge Expert*innen, die bereits wissen, in welche Richtung sich das kommende Jahr entwickeln wird. Gerade was die wirtschaftliche Situation in Deutschland und Österreich betrifft, weckt dabei die Ankündigung eines Aufschwungs nach gleich mehreren Krisenjahren verhaltenen Optimismus. Jedoch ist dieser überhaupt gerechtfertigt? Wird das prognostizierte Wachstum ökonomisch nachhaltig sein? Und welche Branchen dürfen sich Hoffnung machen?

Es gibt tatsächlich gute Gründe dafür, Licht am wirtschaftlichen Horizont in Deutschland und Österreich zu prophezeien. Allen voran hat der private Konsum während der Vorweihnachtszeit wieder seine volle Stärke gezeigt. Zudem wird die Nachfrageenthaltung der letzten Jahre in vielen Branchen zu Nachholkäufen und -investitionen führen. Und einige Investitionsanreize der Regierungen sollten die Auftragslage in der heimischen Industrie anheizen. Trotzdem bleibt die Frage offen, ob all das auf längere Sicht für Entspannung sorgen wird.

So bleiben die Exportbedingungen der heimischen Unternehmen weiter prekär. Der europäische Binnenmarkt wird noch immer von Billigimporten bzw. Preisdumping dominiert. Die Arbeitslosenquote und der Fachkräftemangel bleiben hoch. Das Vertrauen der Menschen und der Unternehmen in die aktuellen Prognosen ist überschaubar. Die ausufernden Staatsschulden münden noch zu selten in Innovation und Zukunftsinvestitionen. Dazu kommen leere Kassen beim Bund, den Ländern und Gemeinden. Die globalen Verwerfungen werden zumindest bis zum Herbst 2026 weiter eskalieren. Der europäische Zusammenhalt bröckelt. Die Abfluss-Kanäle von europäischer Wertschöpfung, Wachstum und Wohlstand in Richtung China und die USA sind gelegt. Und das Platzen der KI-Blase ist längst nicht vom Tisch. Kein Wunder also, wenn Skeptiker*innen der aktuellen Jahresprognosen zur Vorsicht mahnen.

Ob diese eintreffen werden oder nicht, wird ohnehin erst die Jahresbilanz Ende 2026 zeigen. Bis dahin gilt es, die Entwicklungen zu beobachten und mit mehr Optimismus als bisher den erhofften Aufschwung mitzugestalten.

Erläuterungen

Die aktuelle Einschätzung der Lage basiert vor allem auf Konjunkturprognosen aus dem Herbst 2025. Seither wurden einige Entwicklungen konkreter einschätzbar (z. B. Arbeitslosigkeit). Andere wurden hingegen wieder schwieriger zu greifen – allen voran die wirtschaftlichen Beziehungen zu China.