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SOKO Zukunft Gesellschaft

016 Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Digitales, Umwelt

Dilemma Management

Eines der größten Risiken in der Zukunftsarbeit vieler Unternehmen sind „Mittelwege“. In Durchschnitten zu denken, Extreme zu meiden und es damit einer vermeintlichen Mehrheit recht machen zu wollen, führt viel zu oft zu faulen Kompromissen. Die reale Welt orientiert sich viel näher an den Rändern ihrer Handlungsspielräume, als viele glauben. Die „Mitte“ ist hingegen oft nur fiktiv. Dort tummeln sich vor allem Wirtschaftsbetriebe, der Großteil der Politik und die Medien. Kund*innen oder Wähler*innen suchen Sie dort vergeblich.

Die Menschen haben ihre individuellen Interessensräume in den emotionalen Seitengassen der Gesellschaft. Die Digitalwirtschaft mit ihren Eins-zu-eins-Konzepten oder extreme politische Parteien haben das längst erkannt. Lediglich die traditionelle Unternehmenswelt ist im Dilemma gefangen, mit vereinheitlichten Angeboten Zielgruppen bedienen zu wollen, die in der Realität nur bedingt existieren. Innovative Betriebe beherrschen daher die Kunst, sich auch in den Extremen ihrer Märkte zu bewegen. Das heißt, auch mit Vorbehalten, Ängsten, Ablehnung oder Fakes, aber auch mit Euphorie, Launen oder Selbstbestimmung auf Seiten ihrer Kundschaft proaktiv umzugehen. Deshalb agieren zukunftsorientierte Unternehmen zunehmend diversifiziert, hybrid, individualisierbar, kooperativ und nach dem Motto „sowohl als auch“ (nicht „entweder oder“).

Kann es aber gelingen, die großen Dilemmata der heutigen Wirtschaftswelt tatsächlich aufzulösen (ich glaube ja, Anm.)? Die da wären:

  • Preissensibilität vs. hohe Erzeugerpreise
  • Klimawandel vs. Business as usual
  • Export- vs. Binnenmarkt
  • Digital vs. Analog
  • Beharren vs. Innovation
  • Fremd- vs. Selbstbestimmtheit
  • u. v. m.

Lesetipp

ZWEITE MEINUNG » | Die fragile Welt von heute als Basis einer visionsorientierten Zukunftsplanung | 2., überarbeitete Auflage | Gerd Sendlhofer im Selbstverlag | Salzburg, 2026