Seite wählen
Fingerprint
SOKO Zukunft Wirtschaft

018 Wirtschaft, Politik, Gesellschaft, Digitales, Forschung

Zeit-Ort-Dilemmata

Wer kennt nicht die Metapher, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein? Das bedeutet beispielsweise für das aktuelle Tagesgeschäft bzw. die Tagespolitik, sich im Hier (= Ort) und Heute (= Zeit) mit bereits verfügbaren Technologien, Systemen oder Rahmenbedingungen auseinanderzusetzen. KI in der jetzigen Form ist eine solche Technologie. Und das derzeitige Konzept der Erwerbsarbeit wäre ein solches System. Diese Metapher kann aber auch darauf anspielen, für eine Zukunft (= Zeit) in einer Welt von morgen (= Ort) zu planen. Einer Welt voller neuer Technologien und transformierter Systeme, die sich vom Heute wesentlich unterscheiden wird. Das jedoch klappt nicht immer. 

Noch agieren viele Entscheidungsträger*innen in Politik und Wirtschaft entweder in der falschen Zeit und/oder am falschen Ort. So wird immer wieder mit Zukunftsversprechen für die Herausforderungen der Gegenwart geplant. Oder aber soll mit veraltetem Toolset eine Welt der Zukunft bespielt werden. Ersteres funktioniert maximal in der Börsenwelt, wo schon heute Renditen mit Wetten auf die Zukunft eingefahren werden. Zweiteres funktioniert nie. Alte Technologien, verstaubte Strategien und gestrige Systeme sind in jener künftigen Welt, für die es schon heute zu planen gilt, chancenlos!

Die besten Beispiele dafür beherrschen die aktuellen Schlagzeilen: Die Industrie schwächelt, das Rentensystem kollabiert, die Abhängigkeit von übergriffigen Handelspartner*innen steigt, ebenso wie die Lohn- oder Energiekosten etc. Im Nachhinein betrachtet wissen wir, dass der Wurm in einem Zeit-Ort-Dilemma steckt: einer Phase, in der man dachte, die Welt von heute würde sich, abgesehen von überschaubaren technischen Entwicklungen, nicht weiter verändern. Hat sie aber. Und sie wird es auch weiter tun. Und wieder laufen wir Gefahr, den richtigen Ort (die Welt von morgen) nicht mit der richtigen Zeit (Zukunft) zusammenzubringen.

Das Geheimnis visionsorientierter Zukunftsplanung liegt darin, für jede Zeit das richtige Framework einschätzen zu lernen. Und sich dann Schritt für Schritt durch jede Phase – unter Einsatz der jeweils aktuellen Mittel und Möglichkeiten – selbst weiterzuentwickeln. Ich habe das in meinem Buch ZWEITE MEINUNG für Deutschland bzw. Österreich allgemein und für zukunftsorientierte Unternehmen im Speziellen bereits getan. Jetzt sind Sie an der Reihe.

Lesetipp

ZWEITE MEINUNG » | Die fragile Welt von heute als Basis einer visionsorientierten Zukunftsplanung | 2., überarbeitete Auflage | Gerd Sendlhofer im Selbstverlag | Salzburg, 2026